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    Ein mittelschönes Leben – Ein Kinderbuch über Obdachlosigkeit

    Von Aynur Tönjes, Diakonie Düsseldorf | 2.September 2014

    Isabel Armenat, aus unserem Referat Ehrenamt rezensiert für Sie ausgewählte Bücher aus unserer Ausstellung Vielfalt Spielen!

    Ein mittelschönes Leben

    Früher war der Mann auch mal ein Kind. Da wohnte er zusammen mit seinen Eltern und seinem Meerschweinchen Lucky in einer hübschen kleinen Wohnung. Zur Schule ist der Mann mittelgerne gegangen. Am liebsten hat der Mann mit seinen Freunden Fußball gespielt. Darin war er ziemlich gut. Besser als mittelgut. Eigentlich wollte der Mann einmal Profi werden, aber sein Vater fand die Idee bescheuert, also hat der Mann eine Ausbildung angefangen. Jeden Tag ist er früh morgens aufgestanden und zur Arbeit gegangen. Am Wochenende hat er in der Disko Simone kennengelernt. Die beiden haben geheiratet und zwei Kinder bekommen. Einen Jungen, der hieß Luca und dann ein Mädchen, das haben sie Leonie genannt. Als der Mann eine Familie hatte, war das eine schöne Zeit. Damit sie alle gemeinsam auch mal in den Urlaub fahren und sich ein Auto leisten konnten, hat der Mann viele Überstunden gemacht. Deswegen war er abends oft sehr müde und er hat sich mit einem Bier vor den Fernseher gesetzt. Aber Leonie und Luca hat er immer einen Gutenachtkuss gegeben. Er und Simone haben sich irgendwann nicht mehr so gut verstanden und sie haben sich scheiden lassen. Als Simone und Luca und Leonie weg waren, hat der Mann ganz alleine in der Wohnung gewohnt, da hat er sich manchmal einsam gefühlt. Der Mann hat dann immer öfter vor dem Fernseher gesessen und Bier getrunken. Seine Arbeit hat er dann auch verloren. Zum Glück hat er dann eine neue gefunden, aber in einer anderen Stadt. Trotzdem hat sich der Mann zunächst gefreut und sogar ein neues Auto, neue Möbel für seine neue Wohnung und neue Kleidung gekauft. In der anderen Stadt kannte er niemanden und weil die Firma, in der er angefangen hatte zu arbeiten, ihn auch entlassen musste, hatte der Mann bald nichts mehr außer Schulden. Davon wussten seine Kinder aber nichts und einmal haben sonntags plötzlich Luca und Leonie vor der Tür gestanden, um ihn zu besuchen. Die Wohnung und auch der Mann sahen gar nicht schön aus. Nicht mal mittelschön. Und Leonie hat sogar geweint. Da der Mann die Miete nicht bezahlt hatte, musste er irgendwann aus der Wohnung ausziehen. Im Sommer wohnt der Mann jetzt im Park. Im Eingang eines Kaufhauses wohnt er während des Winters. Der Mann ist ganz viel alleine und denkt oft an sein altes Leben zurück. Trotzdem hofft der Mann, dass nicht irgendwann Leonie und Luca zufällig vorbeikommen, denn er schämt sich für sein Aussehen und dafür, dass er kein zu Hause hat.

     

    Obdachlose waren auch mal Kinder. Sie alle haben eine Vergangenheit und ihre ganz eigenen Geschichten. Die Geschichte von dem Mann im Buch ist plausibel und anschaulich geschrieben, sodass auch Kinder einen guten Bezug zum Thema entwickeln können. Das der Protagonist in dem Buch keinen Namen trägt, unterstreicht die Anonymität, in die Menschen geraten, wenn sie auf der Straße leben und von der Gesellschaft nicht mehr wahrgenommen werden.

    Bonus: Im Anschluss an die Geschichte über ein mittelschönes Leben, stellen Grundschüler Fragen an die Verkäufer des Straßenmagazins Hinz&Kunzt. Zusätzlich zu den Fragen und Antworten erläutert die schlaue Ratte einige der angesprochenen Themen. Ein wichtiges Buch, das zum Nachdenken und Diskutieren anregen soll.

    Ein mittelschönes Leben

    Autorin: Kirsten Boie

    Illustratorin: Jutta Bauer

    Ein mittelschönes Leben wurde in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Straßenmagazin Hinz&Kunzt entwickelt. Es ist erstmalig 2008 als Softcover-Ausgabe bei Hinz&Kunztgemeinnützige Verlags- und Vertriebs GmbH erschienen und nach wie vor zu einem Preis von 4,80,- Euro unter: www.hinzundkunzt.de erhältlich und unter www.einmittelschoenesleben.de finden Sie noch weitere Informationen zum Buch.

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